Das schnell-reich-werden-Schema, das eine deutsche Fußballmannschaft fast das Leben kostete

Die Bomben waren für die Detonation bereit, als der Bus, in dem die Spieler von Borussia Dortmund waren, am Stadtrand von Dortmund gelegene Hotel am 11. April 2017 einfuhr. Zu diesem Zeitpunkt stand das Viertelfinalspiel der Champions League gegen den AS Monaco im nahe gelegenen Signal Iduna Park bevor.

Die drei Bomben waren ungefähr auf halbem Weg zwischen der Straße und dem Hotel versteckt und mit Metallnadeln gefüllt. Und dann passierte es: Die Bomben explodierten, als sich der Bus der Straße näherte. Eine Wolke aus Hitze kam aus den Bomben und Metall sowie Schmutz flogen durch die Luft. Außer dem Spieler Marc Bartra (verletztes Handgelenk) wurde kein anderer Spieler verletzt, aber trotzdem wurde niemals ein Fußballteam auf solche eine Art angegriffen. Zum Zeitpunkt, wo die Polizei ankam, ahnte keiner, dass sich der Bombenleger im Restaurant von L´Arrivee befand und dort Süßkartoffeln und Steak gegessen hat.

Der Täter hatte 60.000 BVB Put-Optionen gekauft

Kurz nach dem Anschlag erhielt der Anwalt der BVB eine E-Mail eines Dortmunder Fans, der schrieb, dass ein seltsamer Kauf von Zertifikatsoptionen nach dem Anschlag an der Frankfurter Börse stattfand und jemand hatte sogar 60.000 BVB Put-Optionen gekauft. Dies war eine Art des Wetteinsatzes, mit welchem zu einem bestimmten Zeitpunkt die Aktien zu einem bestimmten Preis fallen würden. Solch eine Preissenkung kann nicht durch ein verlorenes Spiel verursacht werden, aber so etwas wie ein Terroranschlag, bei dem ein Spieler oder sogar das gesamte Team das Leben verlieren, kann zu einer Preissenkung der Zertifikatsoptionen führen.

Für die Ermittler war der nächste Anhaltspunkt die Commerzbank AG, deren Tochtergesellschaft Comdirect für die Abwicklung der Zertifikatsoptionen zuständig war. Mit den Aktien von Dortmund wurde nicht so allgemein gehandelt, weshalb der Kauf von BVB Derivaten im Wert von 40.000 Euro verdächtig war. Dabei sind Put-Optionen mit einem hohen Risiko verbunden, da sie bei Näherung ihres Verfallsdatums an Wert verlieren. Vor dem Bombenanschlag, und zwar nur wenige Stunden davor, wurde einer der Einkäufe über eine IP-Adresse im L´Arrivee Hotel getätigt.

Die Idee hinter dem Angriff: Schnell reich werden

Nach den Interviews mit Angestellten des Hotels kamen die Ermittler zu dem Täter namens Sergej Wenergold. Die Idee für seine Tat bekam er nach der Berichterstattung über die Pariser Spree, wonach die Aktienkurse französischer Unternehmen gefallen waren. So kam er zur Schlussfolgerung, dass ein expliziter Angriff auf ein Unternehmen die Senkung der Aktienkurse des Unternehmens verursachen würde. Auf diese Art wollte Wenergold mit dem Bombenanschlag auf den BVB-Bus schnell Geld verdienen, indem die Mannschaft zu traumatisiert wäre, um weiter gut zu spielen, was letztlich zur Bildung eines negativen Trends führen würde.

Am Tag des Bombenanschlags schwankte die Entschlossenheit von Wenergolds – er war sehr nervös. Aus diesem Grund überprüfte er die Sprengstoffe sehr sorgfältig und ging danach spazieren. Einen Teil des Nachmittags verbrachte er in einem örtlichen Bordell. Die Put-Optionen von BVB kaufte er auf seinem Laptop, bevor der Bus mit den BVB-Spielern ankam und um 7:16 Uhr aktivierte er die Bomben per Detonator, als der Bus wegfuhr. Nachdem die traumatisierten Spieler das Bombenlager verlassen hatten, begab er sich auf den Weg zum Restaurant des Hotels.

Den Ermittlern zufolge hätte Wenergold sogar 570.000 Euro verdient, wenn im unwahrscheinlichen Fall unmittelbar nach dem Angriff die BVB-Aktie auf null fallen würde. Sein Plan ging aber nicht auf, da am 12. April 2018 bei der Eröffnung der deutschen Börse alle Verletzungen weitgehend gemeldet wurden und bereits ein neuer Termin für das Viertelfinalspiel vom Management angekündigt wurde. Zwar fiel die BVB-Aktie kurzzeitig um 2 %, aber am Ende des Handels stieg sie wieder an, so dass Wenergold am nächsten Tag die meisten der gekauften Optionen mit Verlust verkaufte.